Illustration, die visualisiert - verschiedene Menschen überqueren eine Brücke - wie Leichte Sprache hilft.

Leichte und Einfache Sprache: Brücke statt Zweiteilung

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Viele wichtige Informationen in unserem Alltag sind schwer verständlich. Behördenbriefe, Versicherungsunterlagen oder medizinische Informationen enthalten oft lange Sätze, Fachbegriffe und komplexe Formulierungen. Für einen Teil der Bevölkerung ist das eine hohe Hürde.

Die internationale PIAAC-Studie zeigt: Rund ein Fünftel der erwachsenen Menschen in der Schweiz hat Mühe mit Lesen und Verstehen von Texten. Das betrifft nicht nur einzelne Gruppen, sondern viele Menschen mitten in unserer Gesellschaft. Wer Informationen nicht versteht, kann oft nicht selbstständig seine Rechte und Pflichten wahrnehmen oder Entscheidungen fällen und ist so erheblich eingeschränkt. Für diese Menschen ist es ein echter Gamechanger, dass Texte zunehmend leicht verständlich verfasst sind.

Gute Sprache ist leicht verständliche Sprache

Immer wieder melden sich Stimmen, die diese Entwicklung kritisch sehen. Es brauche einfach «gutes Deutsch», wird da unter anderem argumentiert, oder das Problem sei Privatsache der Betroffenen. Das kann man so sehen. Wir sagen: Gutes Deutsch zeichnet sich vor allem durch Verständlichkeit aus. Und es ist im Interesse der Allgemeinheit, dass möglichst alle Menschen bestimmte Informationen verstehen, ohne auf Hilfe angewiesen zu sein.

Vereinfachungen von Texten in Leichte und Einfache Sprache knüpfen hier an. Durch klar nachvollziehbare Strukturen schaffen sie Orientierung, Sicherheit und Selbstständigkeit.

Dabei wird oft unterschätzt, wie anspruchsvoll es ist, komplexe Inhalte wirklich verständlich zu machen. Die professionellen Übersetzungen nach genau definierten Kriterien, die wir bei capito Careum anbieten, brauchen viel Fachwissen.

Bestehende Hürden abbauen

Leichte und Einfache Sprache richten sich an Menschen, die besonders von solchen Texten profitieren:

  • Menschen mit Lernschwierigkeiten
  • Menschen mit geringen Deutschkenntnissen
  • Menschen mit niedrigem Bildungsniveau
  • Menschen mit wenig Leseerfahrung
  • Menschen mit Behinderungen, die Texte mit Assistiven Technologien wahrnehmen, etwa mit Screenreadern oder Transkriptionssoftware
  • Ältere Menschen

Für diese Zielgruppen sind etwa sprachliche Feinheiten wie Ironie oder Metaphern oft nicht hilfreich. Entscheidend ist, dass die Botschaft ankommt. Das bedeutet nicht, dass Sprache «verarmt», wie eine weitere Kritik lautet. Es bedeutet, dass Inhalte zugänglich werden.

Verständlichkeit ist hier keine Vereinfachung zu banalen Drei-Wort-Sätzen, sondern eine Voraussetzung für Teilhabe. Sie baut eine Brücke.

Ein aktueller Diskurs

Ein Beitrag in der NZZ am Sonntag stellte Leichte Sprache kürzlich als zwar gut gemeint, aber «herablassend und dumm» dar. Sie sei überflüssig, diskriminierend und würde die Gesellschaft zweiteilen.

Diese Perspektive berücksichtigt die Realitäten zu wenig – die eingeschränkte Lesekompetenz in der Schweiz und die Bedürfnisse der Betroffenen. Und mit der Zweiteilung verhält es sich umgekehrt: Diese besteht, wenn manche Menschen Informationen problemlos verstehen und andere daran scheitern.

Leichte und Einfache Sprache sind keine Konkurrenz zur Standardsprache, sondern eine Ergänzung.

Daher begrüssen wir es, dass das Thema politisch Fahrt aufnimmt. Ein zentrales Anliegen der Inklusions-Initiative ist der Zugang zu Informationen – mehr dazu in diesem Blog-Beitrag. Das zeigt, dass verständliche Kommunikation von einer freiwilligen Zusatzleistung zur gesellschaftlichen Erwartung wird.

Bei capito Careum unterstützen wir Organisationen dabei, die Brücke zu schlagen. Als Teil der Careum Stiftung setzen wir uns für eine Gesundheitskompetenz ein, die alle erreicht. Unser Ziel ist es, Wissen so zu gestalten, dass es niemanden zurücklässt – für eine Gesellschaft, in der Information wirklich allen gehört.

Interessiert?

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Diskutieren Sie mit

  • Wie verständlich sind die Texte, die Sie im Alltag erhalten – zum Beispiel von Behörden oder im Gesundheitswesen?
  • Ist Leichte Sprache für Sie ein Gewinn an Teilhabe oder sehen Sie auch Herausforderungen im Einsatz?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit schwer verständlichen Informationen gemacht – und was hätte Ihnen konkret geholfen?

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