Junge Frau schaut aus dem Fenster und hält eine Tasse Tee in der Hand.

Public Health: Empowerment durch Gesundheitskompetenz

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Während der Internationalen Public Health Week haben wir das Thema Gesundheitskompetenz unter verschiedenen Perspektiven und deren Rollen im Kontext von Public Health beleuchtet. 

Gesundheitskompetenz ist ein entscheidender Faktor, der eine breite Palette von Public Health Themen beeinflussen kann. Von der Prävention von Krankheiten über die Förderung von gesundem Verhalten bis hin zur Verbesserung des Umgangs mit Gesundheitsinformationen und dem Zugang zu Gesundheitsdiensten. Eine gestärkte Gesundheitskompetenz ermöglicht es den Menschen, informierte Entscheidungen über ihre eigene Gesundheit und die Gesundheit anderer zu treffen, sich effektiv im Gesundheitssystem zu orientieren und gesundheitsförderliche Verhaltensweisen zu entwickeln und auszubauen. Darüber hinaus fördert die Stärkung der Gesundheitskompetenz auch eine gerechtere und integrativere Gesundheitsversorgung für alle Bevölkerungsgruppen.

Welche Rolle spielt Gesundheitskompetenz im Kontext von nichtübertragbaren Krankheiten (NCDs)?

NCDs können nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden und entstehen häufig, wenn Menschen über einen langen Zeitraum bestimmten Risiken ausgesetzt sind. Dabei handelt es sich um Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs- und Atemwegserkrankungen, sowie Erkrankungen des Bewegungsapparats. NCDs sind eine wachsende und ernstzunehmende Herausforderung für die Betroffenen und für das Gesundheitssystem.

Um Risikofaktoren zu verstehen, zu vermeiden und mit ihnen umzugehen, ist Gesundheitskompetenz auf persönlicher und systematischer Ebene zentral. Denn sie befähigt Menschen, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und präventive Massnahmen zu ergreifen. Gerade für Menschen mit erhöhten Krankheitsrisiken oder für Personen mit einer langandauernden Krankheit ist dies von grosser Bedeutung. Mit einer ausreichenden Gesundheitskompetenz können Betroffene und Angehörige sich vermehrt mit der eigenen Gesundheit und der Komplexität des Gesundheitssystems auseinandersetzen. Gleichzeitig stärkt Gesundheitskompetenz auch Fachpersonen, Organisationen und Systeme darin, wichtige Faktoren der Gesundheit zu adressieren, notwendige Rahmenbedingungen zu schaffen und dabei die Verbreitung von NCDs einzudämmen.

Welchen Beitrag leistet Gesundheitskompetenz in der Suchtprävention?

Alkohol, Drogen, Glücksspiel, soziale Medien oder Medikamente – Suchtprävention spielt eine zentrale Rolle für Menschen, deren Gesundheit durch Substanzgebrauchsstörungen oder Verhaltenssüchte beeinträchtigt ist oder zu werden droht.

Ein zentraler Aspekt der Suchtprävention ist die Stärkung der Gesundheitskompetenz. In erster Linie geht es dabei darum, Betroffenen die notwendige Unterstützung zu bieten, um ihnen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Gleichzeitig soll ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden auf psychischer, körperlicher und sozialer Ebene gefördert werden.

Gesundheitskompetenz umfasst ein Bündel von Kompetenzen, die einen proaktiven Umgang mit gesundheitsbezogenen Informationen, Dienstleistungen und Herausforderungen ermöglichen. Sie hilft Menschen dabei, Risiken und Suchtverhalten zu erkennen, gesundheitsförderliche Entscheidungen zu treffen und Unterstützung beim Ausstieg oder dem Umgang mit der Sucht zu finden. Wichtige Schlüsselfaktoren für diesen Prozess sind die Stärkung der Autonomie sowie die Förderung gesundheitlicher Rahmenbedingungen und Lebenswelten. 

Gesundheitskompetenz stärkt auch die Fähigkeit zur Selbstreflexion und zur kritischen Auseinandersetzung mit den eigenen Verhaltensweisen und Gewohnheiten. Sie kann dazu beitragen, den Umgang mit Suchtrisiken zu verbessern und einen gesunden Lebensstil zu fördern.

Wie kann Gesundheitskompetenz die psychische Gesundheit unterstützen?

Nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische Gesundheit hat einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität der Menschen und ihrer Familien. Immer mehr Menschen berichten jedoch über eine schlechte psychische Gesundheit. Seit der Corona-Pandemie hat die psychische Belastung der Schweizer Bevölkerung zugenommen. Daten von Pro Juventute zeigen, dass auch die Anzahl von Jugendlichen, die über eine schlechte psychische Gesundheit berichten, zunimmt.

Gesundheitskompetenz ist eine wichtige Ressource im Umgang mit psychischen Belastungen. Sie kann das Erkennen psychischer Störungen und die frühzeitige Suche nach Hilfe erleichtern und Menschen dabei unterstützen, geeignete Massnahmen zur Förderung ihrer psychischen Gesundheit zu ergreifen oder Bewältigungsstrategien zu entwickeln. 

Studienergebnisse zeigen jedoch, dass fast die Hälfte aller Befragten im Kanton Zürich Schwierigkeiten haben im Umgang mit Informationen zu psychischer Gesundheit. Besonders schwierig ist die Suche nach Informationen über den Umgang mit psychischen Problemen wie Stress oder Depressionen.

Aus diesem Grund ist die Stärkung der Gesundheitskompetenz und des Umgangs mit Informationen zur psychischen Gesundheit von grosser Bedeutung. Gesundheitskompetenz ist eine wesentliche Ressource für die Gesundheitsförderung, die Prävention, sowie für den Umgang mit psychischen Krankheiten.

Wie steht es um die Bedeutung von Gesundheitskompetenz bei übertragbaren Krankheiten?

Am ersten Tag der internationalen Public Health Week haben wir über die Bedeutung von Gesundheitskompetenz für nicht übertragbare Krankheiten gesprochen. Die Entwicklungen in den vergangenen Jahren, unter anderem durch die Corona-Pandemie, zeigen, dass Gesundheitskompetenz auch beim Umgang mit übertragbaren Krankheiten wie zum Beispiel der Grippe oder Masern eine Schlüsselrolle spielt. 

Gesundheitskompetenz hilft Menschen unter anderem dabei, fundierte Entscheidungen im Alltag zu treffen und sich die richtigen Fragen zu stellen, um sich und andere vor übertragbaren Krankheiten zu schützen. Zum Beispiel: Soll ich mich impfen lassen? Soll ich eine Schutzmaske tragen? Soll ich bei leichten Grippe-Symptomen im Homeoffice arbeiten oder ins Büro gehen?

Spätestens seit der Corona-Pandemie ist auch die wachsende Flut an gesundheitsrelevanten Informationen, seien dies vertrauenswürdige Informationen, Fehlinformationen oder gezielte Falschmeldungen, verstärkt in unser Blickfeld geraten. Um vertrauenswürdige Informationen und Quellen sowie verlässliche Orientierungshilfen zu finden, benötigen wir alle Gesundheitskompetenz. 

Wie können wir Gesundheitskompetenz in der Gesprächsführung stärken?

Gesundheitsfachpersonen haben eine zentrale Rolle, wenn es um die Stärkung der Gesundheitskompetenz ihrer Patient:innen und Klient:innen geht. Laut einer Studie ist jedoch die Mehrheit der Gesundheitsfachpersonen in der Schweiz mit entsprechenden Methoden wenig oder gar nicht vertraut. Ausserdem fehlt es teilweise an den notwendigen Rahmenbedingungen, um Gesundheitskompetenz im Alltag zu stärken. 

Verschiedene Methoden zur Stärkung der Gesundheitskompetenz haben sich in der Praxis insbesondere in der Gesprächsführung bewährt. Beispielsweise können Informationen in mehreren kleinen Einheiten vermittelt und jeweils überprüft werden, ob das Gegenüber diese verstanden hat (Chunk-and-Check-Methode). Oder Patient:innen können ermutigt werden, sich im Gespräch die folgenden drei Fragen zu stellen: Was habe ich? Was kann ich tun? Warum soll ich das tun? (Ask-me-3-Methode).

Eine weitere Methode ist die motivierende Gesprächsführung. Sie ist eine ziel- und menschenorientierte Methode zur Überwindung von Ambivalenzen im Gesundheitsverhalten, um die intrinsische Motivation der Patient:innen zur Veränderung zu stärken. Diese Methode wurde zunächst für die Behandlung von Suchterkrankungen entwickelt, wird heutzutage aber in unterschiedlichen Beratungssituationen angewandt. 

Mit Hilfe solcher Methoden können Patient:innen ihren Behandlungsprozess selbstbestimmt mitgestalten und gesundheitskompetente Entscheidungen treffen. 

Zentrum für Gesundheitskompetenz

Mit dem Zentrum für Gesundheitskompetenz verfolgt Careum das Ziel einer gesundheitskompetenten Schweiz. Darum untersucht das Zentrum innerhalb verschiedener Projekte und Aktivitäten die Rolle der Gesundheitskompetenz in den genannten Themenfeldern. 

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