Zwei junge, weibliche Lernende sitzen in einem Klassenzimmer vor Laptops und besprechen etwas mit der Lehrperson, die neben ihnen steht.

Unsere Expert:innen ordnen ein: Differenzierung in der Berufsbildung

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Unterschiedliche Sprachen, Lernvoraussetzungen, Altersgruppen, Geschlechterrollen und neurodivergente Profile: Die Klassen in der Berufsbildung sind heute so vielfältig wie nie zuvor. Damit diese Vielfalt zur Chance wird, braucht es gezielte didaktische Differenzierung. Chartini Karadamou, Projektleiterin und Expertin für künstliche Intelligenz beim Careum Verlag, zeigt im folgenden Beitrag auf, welche Rolle digitale Lerncoaches dabei spielen können und wie sie Lehrpersonen im Umgang mit heterogenen Klassen unterstützen.

Heterogene Lernrealität an Berufsfachschulen

Berufsfachschulen in der Schweiz vereinen Lernende mit sehr unterschiedlichen Hintergründen: verschiedene Bildungswege, kulturelle Prägungen, Altersgruppen und sprachliche Kompetenzen. In vielen Klassen lernen Jugendliche direkt aus der obligatorischen Schule gemeinsam mit erwachsenen Quereinsteigern (SBFI, 2023).

Gerade in Gesundheits- und Dienstleistungsberufen ist diese Heterogenität besonders ausgeprägt. Mehrsprachigkeit gehört dabei zum Alltag. Lernende wechseln selbstverständlich zwischen Schweizerdeutsch, Standarddeutsch, Französisch, Englisch oder ihren Herkunftssprachen. Diese Vielfalt ist eine wertvolle Ressource, stellt Lehrpersonen jedoch auch vor neue didaktische Herausforderungen. Ob daraus Chancen oder Benachteiligungen entstehen, entscheidet sich an der Qualität der didaktischen Differenzierung.

Differenzierung als Schlüssel zum Lernerfolg

Das bedeutet, Lernangebote so zu gestalten, dass unterschiedliche Voraussetzungen berücksichtigt werden. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Aufgaben mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden
  • flexible Gruppenarbeiten
  • unterschiedliche Lernwege und Lernmedien
  • sprachsensibler Unterricht

Studien zeigen, dass adaptive Aufgabenstellungen und flexible Lernarrangements die Lernergebnisse in heterogenen Klassen verbessern können.

Zugleich ist Differenzierung eine zentrale Voraussetzung für Bildungsgerechtigkeit: Sie entscheidet mit darüber, ob Vielfalt zu fairen Lernchancen für alle oder zu stillen Ungleichheiten führt.
Dazu gehört auch, dass Lernende ihre fachlichen, sprachlichen, sozialen und digitalen Kompetenzen nicht nur in Prüfungen, sondern in Projekten, Simulationen, Peer-Teaching oder Reflexionsaufgaben zeigen.

Vielfalt im Klassenzimmer

Zur Heterogenität gehören nicht nur schulische Voraussetzungen. Auch andere Faktoren prägen das Lernen:

  • Neurodiversität: Lernende mit ADHS, Autismus oder Lernschwierigkeiten profitieren besonders von klar strukturierten und multimodalen Lernsettings (Armstrong, 2012). Neurodiversität ist dabei keine Randerscheinung, sondern ein wesentlicher Aspekt der Bildungsgerechtigkeit.
  • Alter: In einer Klasse können 15-jährige Lernende und erwachsene Quereinsteigende gemeinsam lernen (Illeris, 2011).
  • Geschlechterrollen: Berufswahl und Selbstbild werden teilweise weiterhin von gesellschaftlichen Stereotypen beeinflusst.

Differenzierter Unterricht hilft, diese Unterschiede produktiv zu nutzen – statt sie zu Lernhindernissen werden zu lassen (Florian & Black-Hawkins, 2011).

Mehrsprachigkeit als Chance nutzen

Mehrsprachigkeit ist ein wichtiges Merkmal der Schweizer Berufsbildung. Viele Lernende verfügen über mehrere Sprachen und nutzen diese selbstverständlich im Alltag.

Didaktisch kann diese Vielfalt gezielt eingesetzt werden, zum Beispiel durch:

  • zweisprachige Glossare
  • Peer-Erklärungen in verschiedenen Sprachen
  • sprachsensible Fachtexte
  • Brücken zwischen Alltagssprache und Fachsprache

So wird Sprache nicht zur Barriere, sondern zum Lerninstrument. In Berufsfachschulklassen bedeutet das: das gesamte sprachliche Repertoire der Lernenden einzubeziehen – und gleichzeitig systematisch den Anschluss an die Prüfungssprache (Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch) zu sichern.

Unterstützung durch KI-Lerncoaches

Die Vielfalt in den Klassen stellt Lehrpersonen vor hohe Anforderungen. Digitale Lerncoaches können hier gezielt unterstützen.

Der KI-Lerncoach von Sphere by Careum, hilft Lernenden beispielsweise dabei,

  • Fachbegriffe verständlich zu erklären
  • Inhalte in verschiedenen Sprachen aufzubereiten
  • individuelle Übungsaufgaben zu erstellen
  • Lernstrategien oder Pausen vorzuschlagen

Sphere ist eine digitale Lernumgebung, die künstliche Intelligenz nutzt, um personalisierte Lernpfade zu ermöglichen und Lehrpersonen von Routineaufgaben zu entlasten.

Mehr Raum für pädagogische Begleitung

Digitale Lerncoaches ersetzen keine Lehrpersonen. Vielmehr können sie Lehrpersonen entlasten, sodass mehr Zeit für pädagogische Begleitung, Feedback und komplexe Lernaufgaben bleibt.

Der KI-Lerncoach unterstützt Lehrpersonen im Unterricht, indem er Lerninhalte an unterschiedliche Voraussetzungen der Lernenden anpasst. So bleibt den Lehrpersonen mehr Raum für die Begleitung der Lernenden, für fundierte Beurteilungen und für anspruchsvolle Lernaufgaben.

Differenzierung wird damit nicht zur Einzelaufgabe der Lehrperson, sondern zu einer gemeinsamen Leistung von Pädagogik und Technologie (Luckin, 2018).

Fazit

Die Vielfalt in Berufsfachschulklassen wird weiter zunehmen. Erfolgreiche Bildungssysteme reagieren darauf mit intelligenter Differenzierung.

Digitale Lernumgebungen wie Sphere können dabei helfen, diese Differenzierung im Unterricht umzusetzen; damit unterschiedliche Voraussetzungen zur Chance für gemeinsames Lernen werden (OECD, 2019).

Auf diese Weise werden werden Gleichheit, Gerechtigkeit, Inklusion und Differenzierung im Berufsalltag zusammengeführt. Mit einem digitalen Coach im Hintergrund und der pädagogischen Urteilskraft der Lehrpersonen im Vordergrund.

Junge Frau lächelt und sitzt vor einem Laptop.

Sphere

Individuelle Unterstützung für Lernende und Lehrpersonen

Weitere Informationen

Diskutieren Sie mit!

  • Welche Rolle kann Mehrsprachigkeit in der Berufsbildung spielen – Herausforderung oder Ressource?
  • Welche Formen der Differenzierung funktionieren in der Berufsbildung besonders gut – und wo stossen Lehrpersonen im Alltag an Grenzen?
  • Wie kann Unterricht so gestaltet werden, dass unterschiedliche Lernvoraussetzungen als Stärke genutzt werden?
  • Welche Kompetenzen brauchen Lehrpersonen, um digitale Lerncoaches sinnvoll in den Unterricht zu integrieren?

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