
Das Leben ist vielfältig und geprägt von unterschiedlichen Menschen, Erfahrungen, Beziehungen, Wünschen und Bedürfnissen. Diese Vielfalt endet nicht mit einer schweren Erkrankung. Auch am Lebensende bleibt jeder Mensch einzigartig. Daran erinnert der Welthospiz- und Palliative-Care-Tag am 10. Oktober 2026 mit dem Motto «So bunt wie das Leben. Hospiz.»
Bunt – das verbinden wir mit Lebendigkeit und Vielfalt, mit Freude und Leichtigkeit, aber auch mit Gegensätzen. Denn ein Leben besteht nicht nur aus hellen Farben. Es kennt ebenso dunkle Töne und Zwischentöne. Erfahrungen von Glück und Verbundenheit gehören genauso dazu wie Krankheit, Verlust, Abschied und Trauer. Das diesjährige Motto des Welthospiztages greift diese unterschiedlichen Facetten des Lebens auf (Deutscher Hospiz- und PalliativVerband, 2026). Es erinnert daran, dass Sterben zum Leben gehört – und dass Menschen auch am Lebensende ihre individuelle Geschichte, ihre Werte, Bedürfnisse und Vorstellungen mitbringen.
Der Mensch steht im Mittelpunkt
Dieser Gedanke ist eng mit dem Verständnis von Palliative Care verbunden. Ihr Ziel ist es, Menschen mit unheilbaren, lebensbedrohlichen oder chronisch fortschreitenden Erkrankungen eine möglichst gute Lebensqualität zu ermöglichen. Dabei steht nicht allein die Erkrankung im Zentrum. Entscheidend sind die Bedürfnisse und Sorgen des betroffenen Menschen und seiner Bezugspersonen. Palliative Care ist deshalb ganzheitlich ausgerichtet. Neben der Behandlung körperlicher Beschwerden berücksichtigt sie auch psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse. Was braucht dieser Mensch jetzt? Was bedeutet für ihn Lebensqualität? Was gibt Sicherheit oder Trost? Welche Wünsche sind noch wichtig? Die Antworten darauf sind individuell. Für einen Menschen kann es ein Gespräch mit der Familie sein, für einen anderen vertraute Musik oder ein bestimmtes Essen. Vielleicht ist es ein Moment in der Natur, ein Ritual, ein Gebet – oder einfach die Anwesenheit eines vertrauten Menschen.

Bild: Magnific (formerly Freepik)
Lebensqualität hat viele Farben
Palliative Care bedeutet deshalb weit mehr als die Begleitung unmittelbar vor dem Tod. Sie kann frühzeitig in den Krankheitsverlauf einbezogen werden und gemeinsam mit anderen Behandlungen erfolgen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versteht Palliative Care als einen Ansatz, der die Lebensqualität von Menschen mit lebensbedrohlichen Erkrankungen und ihren Familien verbessert. Leiden soll früh erkannt, sorgfältig erfasst und behandelt werden. Dazu gehören Schmerzen und andere körperliche Beschwerden ebenso wie psychosoziale oder spirituelle Belastungen. Palliative Care bejaht das Leben. Es geht darum, die verbleibende Zeit entsprechend den persönlichen Möglichkeiten und Bedürfnissen zu gestalten. Freude und Humor dürfen ebenso ihren Platz haben wie Angst, Trauer und Abschied. Ein gemeinsames Lachen verliert seine Bedeutung nicht, weil ein Mensch schwer krank ist. Vielleicht wird es gerade dann besonders wertvoll.

Bild: Magnific (formerly Freepik)
Vielfalt braucht unterschiedliche Perspektiven
So vielfältig die Bedürfnisse sind, so vielfältig sind auch die Kompetenzen, die eine gute Palliative Care benötigt. Medizin, Pflege, Psychologie, Soziale Arbeit, Seelsorge und weitere Berufsgruppen bringen unterschiedliche Perspektiven ein. Auch freiwillig Tätige können eine wichtige Rolle übernehmen. Diese interprofessionelle Zusammenarbeit ist ein wesentliches Merkmal der Palliative Care. Sie ermöglicht es, den Menschen nicht auf seine Diagnose oder einzelne Symptome zu reduzieren, sondern ihn in seiner körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Dimension wahrzunehmen. Für Fachpersonen bedeutet das auch, immer wieder neu hinzuhören. Denn was Lebensqualität ausmacht, lässt sich nicht allgemeingültig festlegen. Wünsche, Werte und Prioritäten können sich im Verlauf einer Erkrankung verändern.
Das Leben bleibt Leben – bis zuletzt
«So bunt wie das Leben. Hospiz.» macht sichtbar, was in der Palliative Care zentral ist: Jeder Mensch ist anders – und jede Begleitung muss dieser Individualität Rechnung tragen. Dafür braucht es fachliche Kompetenz, aber ebenso Aufmerksamkeit, Offenheit und die Bereitschaft zum Dialog. Nicht immer geht es darum, eine Antwort zu kennen. Manchmal besteht professionelle Begleitung darin, die richtigen Fragen zu stellen, zuzuhören und gemeinsam herauszufinden, was jetzt wichtig ist. Denn auch die letzte Lebensphase gehört zum Leben – mit all ihren hellen und dunklen, leisen und kräftigen Farben.
Weiterbildung im Bereich Palliative Care bei Careum Weiterbildung und an der Careum Hochschule Gesundheit
Quellen
Bundesamt für Gesundheit BAG: Nationale Leitlinien Palliative Care
Bundesamt für Gesundheit BAG: Rahmenkonzept Palliative Care Schweiz
Bundesamt für Gesundheit BAG: Palliative Care: Definitionen und Grundlagen
palliative.ch: Palliative Care in der Schweiz
World Health Organization (WHO): Palliative care
Deutscher Hospiz- und PalliativVerband (DHPV): Welthospiztag 2026 – «So bunt wie das Leben. Hospiz.»
Diskutieren Sie mit!
- Was bedeutet Lebensqualität für Sie – auch am Lebensende?
- Wie können Fachpersonen die individuellen Bedürfnisse von Menschen in palliativen Situationen noch stärker berücksichtigen?
- Welche Kompetenzen braucht es, um Menschen und ihre Angehörigen ganzheitlich zu begleiten?



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