
Veränderung entsteht nicht immer durch schnelle Entscheidungen, sondern oft durch Vertrauen, Austausch und gemeinsames Lernen. Serge Reichlin, CEO der Barmelweid-Gruppe, blickt auf seine persönlichen Erfahrungen im internationalen Leadership-Programm Sciana zurück und zeigt, wie die Residential Meetings in Salzburg seinen Blick auf Leadership und Zusammenarbeit nachhaltig geprägt haben.
Als Fellow der Kohorte 7 des Sciana-Netzwerks – und als CEO einer Spezial- und Rehabilitationsklinik – habe ich die Residential Meetings in Salzburg als ein ganz besonderes Format erlebt: intensiv und zugleich unglaublich bereichernd. Die Tage im Schloss Leopoldskron fühlen sich nicht wie eine klassische Weiterbildung oder Konferenz an, sondern wie ein geschützter Raum, in dem man Vertrauen aufbauen, voneinander lernen und gemeinsam neu denken darf.
Ein besonderer Ort für offenen Austausch
Die historische Kulisse, der See, die Berge und das gesamte Leadership-Team schaffen eine Atmosphäre, in der man sich schnell öffnet. Daraus entstehen Beziehungen, intensiver internationaler Austausch und Diskussionen über die wirklich relevanten Fragen.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die gelungene Mischung aus Tiefe und Leichtigkeit: morgens eine Runde um den See, danach intensive Gespräche zu Leadership, Bevölkerungsgesundheit (Population Health), Ressourcenknappheit, Gesundheitssystemen und Digitalisierung, abends ein wunderbares gemeinsames Essen und anschliessende Gruppenarbeit.
Sciana – The Health Leaders Network
Sciana – The Health Leaders Network ist ein Leadership-Programm von den drei Partnern Careum, Bosch Health Campus und Health Foundation. Es richtet sich an Führungspersönlichkeiten aus dem Gesundheitswesen und gesundheitsnahen Dienstleistungen, die sich national und länderübergreifend für Qualität, Nachhaltigkeit und eine ganzheitliche Versorgung nahe an Patient:innen und der Gesellschaft einsetzen. Es bringt Expert:innen aus der Schweiz, Deutschland und dem Vereinigten Königreich (UK) zusammen, um Herausforderungen im Gesundheitssystem gemeinsam anzugehen. Jeder der drei Partner wählt in der Regel sechs Mitglieder aus dem jeweiligen Land – der Schweiz, Deutschland und dem Vereinigten Königreich (UK) – für eine Kohorte aus. Jede Kohorte identifiziert länderübergreifende Herausforderungen im Gesundheitsbereich, an denen sie gemeinsam arbeiten möchte.
Gemeinsame Herausforderungen über Ländergrenzen hinweg
Besonders beeindruckend waren die Überlappungstage mit der vorherigen oder nachfolgenden Kohorte. In einem gut vorbereiteten Setting sassen wir alle zusammen – erfahrene und neue Fellows – und stellten fest: Die Herausforderungen sind überall ähnlich, nur die Kontexte unterschiedlich. In der Schweiz kämpfen wir mit Fragmentierung, in Grossbritannien mit Unterversorgung, in Deutschland mit Finanzierung – und überall mit zunehmender Bürokratie.
Gerade die eher «kleinen» Momente haben mich besonders geprägt. In den Gesprächen mit Sir David Behan, den Expertinnen und Experten aus den beteiligten Ländern und natürlich den anderen Fellows habe ich mehr über systemische Führung gelernt als in manchem Strategie- oder Leadership-Workshop.
Ich wurde darin bestätigt, dass Systemveränderung Zeit braucht.
Vertrauen statt schneller Lösungen
Persönlich nehme ich vor allem eines mit: «Trust the process» als Leitgedanke. Als CEO bin ich es gewohnt, zusammen mit meinen Teams schnell Ergebnisse zu liefern. Hier wurde ich darin bestätigt, dass Systemveränderung Zeit braucht, dass die besten Ideen oft in den Pausen entstehen und dass erfolgreiche Umsetzung vor allem auf Vertrauen, persönlichen Beziehungen und einem tragfähigen Netzwerk beruht.
Für meine Arbeit in der Barmelweid-Gruppe bedeutet das ganz konkret: Ich möchte die Sciana-Erfahrungen gezielt einsetzen, um systemischen Veränderungen anzustossen oder weiterzuführen und überlege mir, wie unsere Patientinnen und Patienten davon am meisten profitieren.
Leadership bedeutet für mich heute weniger, an der Spitze zu stehen, sondern viel mehr Räume zu schaffen, in denen andere wachsen können.
Ein neuer Blick auf Leadership
Hat sich meine Perspektive verändert? Absolut. Beim Thema Leadership sehe ich meine Rolle heute viel weniger als «an der Spitze stehen» und viel mehr «als Räume schaffen, in denen andere wachsen können». Bei der Zusammenarbeit habe ich gelernt, wie wertvoll es ist, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen – und wie schnell man von den Erfahrungen anderer profitieren kann. Und beim Blick auf die Gesundheitssysteme bin ich überzeugter denn je: Wir dürfen nicht nur reparieren, wir müssen systemisch denken. Die Sciana-Challenge, an der wir gerade arbeiten, zwingt uns genau dazu – konkrete Lösungen zu entwickeln und die Kompetenzen von öffentlicher Hand und Unternehmen sinnvoll zu verbinden.
Ich bin Careum und dem gesamten Sciana-Netzwerk unglaublich dankbar, Teil davon sein zu dürfen. Salzburg war für mich nicht einfach eine Weiterbildung oder eine Serie von Meetings – es war ein echter Start. Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Treffen.
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- Was bedeutet gute Führung für Sie – insbesondere in Zeiten des Wandels?
- Welche Rolle spielen Vertrauen und persönliche Beziehungen in Ihrem Führungsalltag?
- Welche Leadership-Erfahrung hat Ihren Führungsstil nachhaltig geprägt?

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