
Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Fachkräftemangel und gesellschaftliche Veränderungen prägen das Gesundheitswesen. Damit verändern und erweitern sich auch die Anforderungen an Gesundheitsfachpersonen, Teams und Organisationen. Deshalb hat Careum einen Kompetenzrahmen entwickelt, der zeigt, welche Kompetenzen für eine zukunftsfähige Gesundheitswelt relevant sind. Er bietet Orientierung für Bildung, Versorgung und Personalentwicklung.
Die Gesundheitsversorgung steht vor vielfältigen und zunehmend komplexen Anforderungen. Technologische Entwicklungen, demografischer Wandel, Fachkräftemangel, steigende Anforderungen an Qualität, Nachhaltigkeit und Gesundheitsgerechtigkeit wirken dabei gleichzeitig zusammen.
Eine zentrale Frage lautet also: Welche Kompetenzen braucht es, um unter diesen Bedingungen professionell zu handeln und die Gesundheitsversorgung weiterzuentwickeln?
Careum hat diese Frage aufgegriffen und einen professionsübergreifenden Kompetenzrahmen für eine zukunftsfähige Gesundheitswelt entwickelt. Er verbindet wissenschaftliche und graue Literatur sowie Perspektiven aus Bildung und Versorgung und schafft damit eine breite Grundlage für die Auseinandersetzung mit relevanten Kompetenzanforderungen.
Zukunftsfähigkeit braucht vielfältige Kompetenzen
Wenn über die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens gesprochen wird, stehen häufig Digitalisierung, Datenkompetenz und künstliche Intelligenz (KI) im Mittelpunkt. Der Kompetenzrahmen zeigt jedoch: Ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen erfordert deutlich mehr.
Ebenso relevant sind interprofessionelle Zusammenarbeit und Führung sowie kritisches Denken und evidenzbasiertes Handeln. Hinzu kommen beispielsweise Kompetenzen in den Bereichen Resilienz, Versorgungsqualität und Patient:innensicherheit.
Insgesamt wurden für diesen Kompetenzrahmen 527 Kompetenzbeschreibungen identifiziert und zu sieben Kompetenzbereichen und 25 Kompetenzclustern verdichtet.
Wo liegen die grössten Entwicklungsfelder?
Besonders relevant erscheinen aus unserer Sicht in den kommenden Jahren Kompetenzen, die helfen, komplexe Systeme zu verstehen und Veränderungen aktiv zu gestalten. Dazu zählen insbesondere Systemdenken, Versorgungskoordination und Veränderungskompetenz. Gerade diese Verbindung von professionellem Handeln, Systemverständnis und Veränderungsfähigkeit erscheint uns für eine zukunftsfähige Gesundheitswelt besonders bedeutsam.
Besonders relevant erscheinen in den kommenden Jahren Kompetenzen, die helfen, komplexe Systeme zu verstehen und Veränderungen aktiv zu gestalten.
Gleichzeitig gewinnen Resilienz und der professionelle Umgang mit Unsicherheit an Bedeutung. Gesundheitsfachpersonen, Teams und Organisationen müssen in der Lage sein, auch unter wechselnden Rahmenbedingungen handlungsfähig zu bleiben und kontinuierlich zu lernen.
Hinzu kommen dynamische Anforderungen im Umgang mit KI, digitalen Technologien sowie Themen zu Nachhaltigkeit und Planetary Health. Der Kompetenzrahmen macht damit deutlich, dass eine zukunftsfähige Gesundheitswelt nicht auf einzelne neue Technologien oder Kompetenzen reduziert werden kann.
Nicht nur die einzelne Person muss kompetent sein
Eine zentrale Erkenntnis aus der Arbeit am Kompetenzrahmen war für uns: Eine zukunftsfähige Gesundheitswelt ist nicht allein eine Frage individueller Kompetenzen.
Viele Herausforderungen lassen sich nicht dadurch lösen, dass einzelne Gesundheitsfachpersonen immer mehr Kompetenzen erwerben. Ob Versorgung gut koordiniert ist, Veränderungen nachhaltig umgesetzt werden oder Organisationen lernfähig bleiben, hängt ebenso von Teamstrukturen, Führung, Versorgungskoordination und organisationalen Lernprozessen ab.
Der Kompetenzrahmen verbindet deshalb individuelle Kompetenzen wie Selbstmanagement mit organisationalen Kompetenzen wie Teamführung und Versorgungskoordination sowie systemischen Kompetenzen wie Public Health und Systemdenken.
Eine zukunftsfähige Gesundheitswelt ist nicht allein eine Frage individueller Kompetenzen.
Eine gemeinsame Sprache für Bildung und Versorgung
Der Kompetenzrahmen ist jedoch keine starre Checkliste. Nicht jede Kompetenz ist für jede Zielgruppe gleich relevant. Je nach Rolle, Bildungsstufe und Versorgungskontext braucht es unterschiedliche Schwerpunkte und Kompetenzniveaus. Bildungsinstitutionen können aber mit dem Rahmen bestehende Curricula reflektieren und weiterentwickeln. Weiterbildungsanbieter können neue Angebote daran ausrichten. Gesundheitsorganisationen können ihn für Personal-, Führungs- und Organisationsentwicklung nutzen.
Das Potenzial des Kompetenzrahmens sehen wir deshalb nicht primär darin, eine weitere Liste von Anforderungen zu schaffen. Vielmehr kann er eine übergreifende Bezugsgrundlage bieten, um Kompetenzanforderungen zwischen Bildung, Versorgung, Management und Gesundheitspolitik zu diskutieren und aufeinander abzustimmen.
Wissenschaft, graue Literatur und Praxis zusammenbringen
Methodisch wurde bewusst ein breiter Zugang gewählt. Ausgangspunkt war eine systematische Recherche wissenschaftlicher Literatur. Ergänzend wurden Berichte und Veröffentlichungen relevanter Institutionen und Organisationen sowie ausgewählte Websites und Newsletter einbezogen. Gerade bei zukunftsweisenden Themen können solche Quellen aktuelle praxisbezogene und strategische Entwicklungen sichtbar machen, die in wissenschaftlichen Publikationen möglicherweise noch nicht abgebildet sind.
Zusätzlich wurden Expert:innen aus Bildung und Versorgung über eine Fokusgruppe einbezogen. Ein internes pädagogisch-wissenschaftliches Gremium begleitete und reflektierte die weitere Entwicklung des Kompetenzrahmens bis zum gemeinsamen Konsens.
Orientierung für die nächsten Schritte
Der Careum Kompetenzrahmen versteht sich als Orientierungs- und Diskussionsrahmen, der weiterentwickelt werden kann. Ein nächster Schritt wird darin bestehen, ihn stärker mit bestehenden Curricula, Bildungsangeboten und Kompetenzprofilen zu verbinden und für unterschiedliche Rollen und Versorgungskontexte zu konkretisieren. Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche Impulse der Kompetenzrahmen für die Weiterentwicklung von Bildungsplänen und regulatorischen Rahmenbedingungen geben kann.
Denn entscheidend ist nicht nur, wie sich die Gesundheitsversorgung verändert, sondern auch, welche Kompetenzen Individuen, Teams und Organisationen benötigen, um sie verantwortungsvoll weiterzuentwickeln.
Diskutieren Sie mit!
- Welche Kompetenzen erachten Sie für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung als besonders wichtig?
- Sind unsere heutigen Bildungsangebote und Rahmenbedingungen bereits darauf ausgerichtet, die Kompetenzen zu fördern, die eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung braucht?
- Was müssen wir heute in Bildung, Organisationen und Rahmenbedingungen verändern, damit die Gesundheitsversorgung auch morgen zukunftsfähig bleibt?

Kommentare